Cannabis

Imagewandel: Von der Kifferdroge zur hochwirksamen Schulmedizin – Cannabis besitzt die Kraft, Schmerzen zu lindern, gibt Millionen chronisch Kranken
neue Zuversicht. Schon bei über 50 Krankheiten hilf es.

Kiffende Jugendliche, zugedröhnte Hippies – das verbinden viele mit Cannabis.
Aber seit gut zwei Jahren gibt es bei uns die Droge als Therapie auf Rezept. Ganz legal, wenn gewisse medizinische Gründe wie z. B. starke chronische Schmerzen vorliegen. Die Behandlung mit der Hanf-Medizin ist erfolgreich, sie boomt: Im vergangenen Jahr haben die Apotheken allein 44 000 Einheiten Cannabis-Blüten an Patienten ausgegeben. So viel, dass inzwischen Liefer-Engpässe in den Anbauländern Kanada und den Niederlanden bestehen.
Zunehmend behandeln Ärzte ihre Patientinnen und Patienten auch mit bislang nur illegal erhältlichen Stoffen wie der Party-Droge Ecstasy oder dem Rauschmittel LSD.

WIE GENAU WIRKT CANNABIS?
„Seine Wirkstoffe wie Tetrahydrocannabinol (THC) oder Cannabidiol (CBD) docken an die beiden Cannabis- Rezeptoren CB1 und CB2 an. Sie befinden sich überwiegend im zentralen Nervensystem oder auf Immunzellen. THC beeinflusst Wahrnehmung, Konzentration, Schmerzempfinden. CBD wirkt krampf- und angstlösend“, sagt der Berliner Palliativmediziner Prof. Winfried Hardinghaus.

Wann darf Cannabis als Medizin verschrieben werden?
„Bei Schwerkranken. Eine Erkrankung gilt dann als schwerwiegend, wenn sie lebensbedrohlich oder so gravierend ist, dass die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigt wird“, erklärt Prof. Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel. Verordnet wird Cannabis z. B. bei Krebs, Alzheimer, chronischen Schmerzen, Fibromyalgie, MS, Übelkeit, z. B. bei Chemotherapie, chronischen Darmentzündungen, Tourete-Syndrom.

WO BEKOMME ICH EIN REZEPT?
Grundsätzlich darf jeder Arzt, jede Ärztin Cannabis verordnen. Prof. Hardinghaus: „Vorher muss ein Antrag beim Medizinischen Dienst der Krankenkasse des Patienten gestellt werden.
Nach der Bewilligung kann ein Betäubungsmittelrezept ausgestellt werden.“ Nicht erlaubt sind Verordnungen von Zahn- oder Tierärzten.

Wie sieht die rechtliche Lage aus?
Cannabis bleibt eine illegale Droge. Ärztlich verordnete Cannabisblüten dürfen problemlos in der Öffentlichkeit geraucht werden. Bei Cannabis am Steuer bleiben Patienten straffrei wie bei anderen Medikamenten. Verhalten sie sich jedoch auffällig oder berauscht und übersteigt der THC-Gehalt im Blut den Grenzwert von 1 Nanogramm je ml Blutserum, müssen sie wie Alkoholsünder mit Geld oder Freiheitsstrafe rechnen.

MACHT ER MICH HIGH, FAHRUNTÜCHTIG?
„Damit ist nicht zu rechnen, wenn sich der Patient oder die Patientin an die medizinisch verordnete Dosis und die vom Arzt vorgeschlagene Darreichungsform hält“, so Prof. Hartmut Göbel. „Ausreichend verlässliche wissenschaftliche Informationen zu dieser Frage liegen allerdings bislang nicht vor. Besonders zu Beginn der Therapie, wenn noch die richtige Dosierung gesucht wird, rate ich aber von einer Teilnahme am Straßenverkehr ab.“

ZAHLEN DIE KRANKENKASSEN IMMER – UND WIE VIEL?
Rund 65 Prozent der Anträge werden genehmigt. Und die Kassen übernehmen für rezeptpflichtige Arzneien die Kosten von ca. 540 Euro pro Monat.
Abgelehnt werden vor allem Anträge, bei denen die medizinische Begründung für den Einsatz von Cannabis fehlt. Hier kann in einem neuen Antrag nachgebessert werden.Wenig Chancen haben auch Anträge, bei denen keine ernste Krankheit vorliegt.

Was ist….?

CANNABIS
Das lateinische Wort für „Hanf“ wird umfassend für die Pflanze selbst und ihre THChaltigen Produkte benutzt.

HANF
Die einjährige, krautige Pflanze ist eines der ältesten Nutzgewächse der Welt – für Seile, Speiseöl, als Arzneimittel.

HASCHISCH
Das Harz wird aus den Blüten und Blättern extrahiert, in Platten gepresst. Die Farbe schwankt von hellgrau bis mattschwarz. Haschisch wirkt stärker als Marihuana.

MARIHUANA
Es wird aus den Drüsenhaaren der weiblichen Blüten gewonnen, enthält hohe Konzentrationen von THC oder CBD.
Auch Gras genannt, weil es grün bis bräunlich ist.

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